Geschichte

Warum ein Haus in Stilfs

Mir wurde erzählt, dass unser Großvater eine Stilfserin heiratete und zusammen mit ihr nach Österreich zog. Dort baute er eine eigene Tischlerei auf. Seine Frau, die Stilfserin, bekam jedoch starkes Heimweh, und so löste unser Großvater seine Tischlerei in Österreich auf. Dafür errichtete er eine neue Tischlerei in Südtirol, gleich hinter der Grenze am Brenner. Das Heimweh seiner Frau jedoch wurde nicht kleiner, und so gab unser Großvater auch diese Tischlerei auf und zog nach Prad am Stilfserjoch. Auch hier wurde unsere Großmutter nicht ruhig, das Heimweh nach Stilfs bestand nach wie vor, obschon sie ihrem Heimatort bedeutend näher gekommen war. Relativ alt schon musste unser Großvater also wieder alles aufgeben, um den Wünschen seiner Gemahlin neuerlich nachzukommen. Und so zog er nach Stilfser Brücke und erbaute dort im hohen Alter abermals eine Sägerei und Tischlerei.

Mit dem Presslufthammer aus dem ersten Weltkrieg zur Felsengalerie

Eines Morgens, vor mehr als 25 Jahren, fuhr ich nach Stilfs, um beim Pfeiferhaus nach dem Rechten zu sehen. Dabei kam ich ins Gespräch mit einem Nachbarn in Stilfs. Er fand die Künstler, die mitten in der Nacht in ihren Unterhosen oder Schlafanzügen ums Haus gingen, um über die Kellertür zum Klo und den Duschen zu gelangen, keinen so guten Anblick fürs Dorf.
„Leg doch einen Durchgang durch den Fels, von der Küche aus 3 Meter in den Felsen hinein, schlag eine Kurve frei und fahr dann einen Stock tiefer in den Felsenkeller, damit man innen zu den Klos und den Duschen kommt. Dann hast du von den Stilfsern Ruhe mit deinen Künstlern.“, sagte er freundlich aber bestimmt zu mir. „Warum nicht?“, erwiderte ich, „Stilfs war schließlich früher ein Bergwerksdorf und im Pfeiferhaus wohnten Bergarbeiter. Aber wie soll ich dieses Projekt beginnen?“

Viele Handwerker und Freiwillige aus der Umgebung helfen bei der Sanierung

Als das Felsenloch nach etwa einem halben Jahr fertig herausgehämmert war, kam der pensionierte Stilfser Maurermeister Hubert Wieser und sagte: „Das muss jetzt fachgerecht gesichert werden. So kannst du es auf keinen Fall belassen.“ Er nahm diese Arbeit selber in die Hand und sagte gleich, was es alles kosten würde und dafür brauche. „Den Traktor bringe ich zusätzlich mit“, sagte er. Wir holten viele Traktorladungen Steine, betonierten die Treppenstufen und Steinsäulen in den Fels und sicherten den Türbogen und die kleine Grotte. Die Eisenkonstruktion zur Belichtung des Felsschachts schweißte Meinrad Thöni, Insasse der Behindertenwerkstatt Prad.

Eröffnungsfeier Pfeiferhaus

Beim Eröffnungsfest am 24.2.1993 mit dem Titel „53 Jahre verdrängte Kunst des Künstlers Franz Pichler aus Meran“ weihte der damalige Stilfser Pfarrer Oswald Kuenzer das Pfeiferhaus ein. Der Stilfser Bürgermeister Cavalliere Josef Hofer richtete die Grußworte an die Feiernden. Er war der Bürgermeister mit der bisher längsten Amtszeit in Stilfs. Landesrat für Kultur Dr. Bruno Hosp war mit seiner Frau Inga Hosp anwesend und hielt eine Ansprache. Die Sopranistin aus dem Valtellina Silvia Oreggioni sang zur Vernissage Marienlieder. Der Fotograph Tumler Klaus dokumentierte das Ereignis auf Foto und Video.